(29.01.2016) Stellen Sie sich vor, Sie würden einen Lebensmittelladen führen, in dem pro Tag zwischen 75 und 80 Personen einkaufen, welche auf eine Grundversorgung durch diesen Laden angewiesen sind.
Und Sie können bei keinem Lieferanten feste Mengen oder bestimmte Produkte bestellen, ganz zu schweigen von fixen Lieferterminen. Unmöglich, sagen Sie?
84 ehrenamtliche Helfer
„Das ist die Realität“, sagt Frau van Luijk. Sie führt ehrenamtlich den Tafelladen in Mühlacker. Von montags bis freitags ist sie bereits frühmorgens gemeinsam mit 84 ebenfalls ehrenamtlich tätigen Helfern im Laden. Alles, was als Spenden gebracht und teilweise mittels Transporter bei den Händlern eingesammelt wird, ist zu sortieren, zu verpacken, verkaufsfertig zu machen. Kisten von Äpfeln werden einzeln, Stück für Stück, durchgesehen, Schlechte entsorgt, Gute für den Verkauf bereitgelegt. Was noch für Tiere eßbar ist, wird separiert und findet ebenfalls Abnehmer.
Seit Mitte letzten Jahres in Mühlacker etliche Flüchtlinge leben, ist die Zahl der Kunden im Tafelladen gestiegen. Nun kaufen pro Tag rund 75 bis 80 Familien dort ein. Und nur wer seine Bedürftigkeit entsprechend nachgewiesen hat, kommt überhaupt an einen Einkaufsausweis. Dieser regelt auch, an welchem Wochentag eingekauft werden darf. Nur einmal pro Woche dürfen die Ausweisinhaber einkaufen. Und das, was an diesem Tag angeboten wird, weiß vorher keiner. Genauso wenig wie die Mengen, die man wird einkaufen können.
Denn das, was morgens angeliefert wird, versuchen Frau van Luijk und ihre Mitarbeiter möglichst gerecht unter den Käufern aufzuteilen. Das bedeutet dann zum Beispiel, dass pro Familie 500 Gramm Äpfel gekauft werden dürfen. Oder ….. Gramm Kartoffel. Auch viele „trockene Waren“ wie Nudeln, Zucker oder Duschgel tragen einen roten Aufkleber. Der besagt, dass pro Familie nur ein Artikel in den Einkaufskorb wandern darf. Es soll eben für alle reichen.
Die Zeit, wann der Laden zum Einkauf betreten werden darf, wird an den Verkaufstagen nachmittags um 14 Uhr ausgelost. Dann kann man den Laden für maximal 15 Minuten betreten und seine Einkäufe tätigen. An diesen Nachmittagen sind ebenfalls ehrenamtliche Helfer als Verkaufspersonal eingesetzt: am Backwarenstand, am Gemüseregal zum wiegen, als Warenkontrolle und an der Kasse. Rund 20 Personen pro Verkaufsnachmittag sind notwendig.
auf private Spender angewiesen
Neben den vielen privaten Spendern hat bisher die Firma Porsche regelmäßig dafür gesorgt, dass in den Regalen genügend Waren stehen können. Damit ist im März Schluß, denn Porsche unterstützt danach andere Tafelläden. Ab dann wird die morgendliche Spannung noch höher sein, was man mittags wohl verkaufen kann. „Wir können nur darauf vertrauen, dass uns möglichst viele Spender unterstützen – mit Warenspenden oder mit Geld“, sagt Frau van Luijk. Ohne eine Riesenportion Gelassenheit und Gottvertrauen würde sie ihre Aufgabe wohl nicht bewältigen können.
Und obwohl ja alles auf Spenden und ehrenamtlicher Arbeit fußt, müssen auch im Tafelladen – wie in jedem anderen Lebensmittelgeschäft – alle gesetzlichen Vorgaben zum Verkauf von Lebensmitteln eingehalten werden. So zwei, drei Kontrollen pro Jahr sind da schon drin. Deshalb freut sich Frau van Luijk sehr über die Spende des Missionswerks der NAK Süddeutschland in Höhe von 1000 Euro, die ihr am 29. Januar übergeben wurde. „Einen Scheck und ein großes Merci an Sie und Ihre Helfer“, überreicht Priester G. Mauch, da der stellvertretende Gemeindeleiter am Termin verhindert war. Mit dem Geld wird neue Arbeitskleidung für die Helfer angeschafft – Schürzen und Jacken. Denn im Winter ist es in dem alten Fabrikgebäude, in dem sich der Tafelladen befindet, ganz schön kühl. Bisher hatte man die Anschaffung herausgezögert – gab es doch immer etwas, was noch viel dringender benötigt wurde.
wöchentliche Sachspenden aus der NAK Mühlacker
Frau van Luijk dankte für die regelmäßige Unterstützung der neuapostolischen Kirchengemeinde Mühlacker . Ehrenamtliche Helfer sind damit genauso gemeint wie die Sachspenden, die wöchentlich aus der Gemeinde zu ihr geliefert werden. Dafür steht seit Monaten im Kirchenfoyer eine Sammelbox bereit, in die Jeder seine Gaben einlegen kann. Weitere Infos zum Tafelladen Mühlacker und das Spendenkonto findet man unter http://www.muehlacker-tafel.com/ .