Ein neues, großes Kirchengebäude der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland entstand in der Wildbader Straße in Pforzheim-Brötzingen. Am 9. Juni 2024 konnte nach einigen Jahren Bauzeit das Gebäude eingeweiht und seiner endgültigen Bestimmung übergeben werden.
Das nach außen hin klar als Sakralbau erkennbare Gebäude bietet den Gemeindemitgliedern vielfältige Nutzungsmöglichkeiten. Die Architekten entwarfen ein großzügiges Kirchenschiff mit indirekter Lichtführung, dazu einige Multifunktionsräume, die den Kirchenraum flexibel erweitern oder verkleinern sowie einen großen, verschatteten Innenhof mit integrierter Sitzbank. Diese einzigartige Mischung eröffnet den Geschwistern viel Gestaltungsspielraum für die Gemeinde-Aktivitäten.
Der erste Gottesdienst in Pforzheim-Brötzingen fand am 9. Juni 2024 statt. Bezirksapostel Michael Ehrich weihte das Kirchengebäude in einem Festgottesdienst seiner Bestimmung. Begleitet wurde er dabei von Apostel Martin Rheinberger und Bischof Vester (beide Bezirk Karlsruhe) sowie Apostel Martin Schnaufer (Bezirk Freiburg/Tübingen). Eine Übertragung per Live-Stream fand in die anderen Kirchengemeinden in Pforzheim statt.
Der Bezirksapostel wies darauf hin, dass ein Kirchenneubau in einer Stadt etwas Seltenes und Besonderes sei. Leider gehe die Entwicklung in den christlichen Kirchen oft in eine andere Richtung: Gemeinden würden zusammen gelegt oder Kirchen umgewidmet. Umso mehr freue er sich darüber, "dass mit diesem Kirchenneubau gezeigt wird, dass hier Leben ist". Diese Freude verband er mit einem Dank an Handwerker, Planer, die Stadt Pforzheim sowie die neuapostolischen Kirchenmitglieder in Süddeutschland, die mit ihrer Opferbereitschaft solche Neubauten erst ermöglichen würden.
Vor der Weihehandlung gab der Bezirksapostel einen kurzen Einblick in die Gemeindegeschichte, deren Anfänge bis ins Jahr 1925 zurück reichen. Und würdigte das zuletzt genutzte Gebäude im Grimmigweg, das den Gemeindemitgliedern über 60 Jahre lang Kirchenheimat war. In seinem Weihegebet für den neuen Kirchenbau wünschte er: „Alle, die hier ein und ausgehen, mögen Frieden in Jesus Christus finden.“
Beim anschließenden Chorbeitrag erklang die Hymne des Süddeutschen Kirchentags "Kommet her". Der Bezirksapostel sprach im Anschluss an diesen Liedbeitrag für alle eine spontane Einladung aus: "Ja, kommt ruhig mal her und schaut euch die neue Pforzheimer Kirche an."
Der Wortverkündigung im Weihegottesdienst lag Kolosser 3, Vers 16 zugrunde: „Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.“ Dieses Bibelwort solle das Programm für das neue Gotteshaus sein. Das Wort Gottes stehe im Mittelpunkt dessen, was in einem Gottesdienst geschehen soll. Es sei so mächtig und kräftig, nichts könne sich diesem Wort entgegen stellen.
Der Bezirksapostel führte einige Beispiele an, wie mächtig das Wort Gottes ist: Es könne Wunder bewirken, es könne heilen, das Wort Gottes sei Wahrheit. Es gehe dabei nicht um einen Wunderglauben oder Heilungsglauben. Aber Gottes Wort habe so viel Macht, dass es Menschen ändern und das Heil der Seele bewirken könne. Entgegen mancher Fake News in der heutigen Zeit, brauche man das Wort Gottes nicht anzweifeln. Es werde sich erfüllen.
Wenn im Wort stehe "lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit" gehe es nicht darum anderen ihre Fehler aufzuzeigen. Der Schwerpunkt liege auf der Weisheit. Durch Gottes Weisheit können wir anderen Hilfe und Segen sein. Der Kerngedanke solle sein: "Immer, wenn wir dieses Haus betreten, hören wir das Wort Gottes".
Weiter führte der Bezirksapostel aus, der Altar dieser neu erbauten Kirche bestehe nicht nur aus handfesten Materialien, sondern sei Sinnbild des Opfers Christi. Und das immer. 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche. Der Bezirksapostel beschloss seine Predigt mit den Worten: "Lasst uns immer daran denken: Es ist ein geweihter Ort, es ist ein heiliges Haus, das uns Frieden bringt."
Als Mitwirkenden rief der Bezirksapostel zuerst Bischof Vester auf. Er ging auf das Wort „wohnen“ näher ein und fragte die Geschwister: "Darf das Wort Gottes wirklich reichlich Raum in meiner Wohnung haben, bei mir sein und mir etwas sagen?" Er wünschte sich, dass das Wort Gottes nicht nur ein kleines Zimmer erhalte, sondern direkt bei uns wohnen darf. Im Anschluss diente Apostel Schnaufer mit. Er verwies darauf, dass die Gemeinde nächstes Jahr Weihnachten 100 Jahre alt werde. Er selbst erlebe die vielfältigen Möglichkeiten seiner Heimatgemeinde als Schatz. Und gab den Geschwistern die Anregung mit, sich bei allen geplanten Aktivitäten immer wieder zu fragen: "Ist das jetzt Wort Gottes, ist das jetzt Maßstab Christi? Bitte lasst das Wort Gottes in der Mitte stehen. Das bringt uns zum Ziel."
Abschließend bat der Bezirksapostel Apostel Rheinberger um einen Beitrag. Der Apostel merkte in seiner Predigt an, dass er während des Gottesdienstes eine interessante Perspektive auf das Kreuz hinter dem Altar gehabt habe. Das Kreuz hänge nicht nur an der Wand, es rage heraus. Er zog die Parallele: Das Kreuz müsse auch in unseren Predigten herausragen. Der Gottesdienst solle so frisch sein wie dieser Kirchenbau. Er schloss sein Mitdienen mit den Gedanken: "Wir kommen in der Erwartung, dass das Wort Gottes in einer lebendigen Weise gepredigt wird. Und dass der liebe Gott dir und mir etwas zu sagen hat."
Im Anschluss an den Weihegottesdienst waren die rund 400 Gottesdiensteilnehmer im Innenhof zu einem Umtrunk eingeladen. Aus dem Innenhof heraus schickten sie als gemeinsame Aktion besondere Einladungen in die weitere Nachbarschaft: An Luftballons befestigt flogen Postkarten, die die Finder zum Besuch der neuen Kirche einladen, in die Luft. Am 16. Juni 2024 wird die Gemeinde noch einen Festakt zur Einweihung der neuen Kirche veranstalten.
Der Kirchenbau besteht aus verputztem Mauerwerk und Stahlbeton. Im inneren des Gebäudes richtet sich alles auf den Altar hin aus. Dieser steht, leicht erhöht, unter dem Oberlicht und wächst kraftvoll aus dem Boden heraus. Die Altarrückwand wird durch ein Kreuz aus Metall geschmückt. In einer Aussparung der rechten Seitenwand des Saals ist die mechanische zweimanualige Pfeiffenorgel mit 14 Registern eingelassen. Zusätzlich sorgt neueste Gebäudetechnik wie Fußbodenheizung, dazu Be- und Entlüftungsanlage sowie ein ausgefeiltes Beleuchtungskonzept für ein angenehmes Raumgefühl. Das Gebäude stellt 350 Sitzplätze im rund 300 m² großen Kirchensaal für die Besucher bereit. Der Bau wurde von Bez+Kock Architekten Generalplaner GmbH (Stuttgart) entworfen. Mit der Bauleitung waren Ernst2 Architekten AG (Stuttgart) beauftragt.