Ein Insider-Bericht Der Titel des Konzerts war derselbe wie tags zuvor in Bad Herrenalb: „Die Ehre Gottes aus der Natur“, ebenso die vorgetragenen Stücke und die beteiligten Musiker (siehe Link einfügen! https://www.nak-karlsruhe.de/dbc/691004/110085/Konzertchor-auf-der-Gartenschau ). Auch am Sonntag den 27.08.2017 war der Konzertchor Nordbaden auf dem Gelände einer Gartenschau zu Gast – und trotzdem war (fast) alles ganz anders als am Tag zuvor.
Die „kleinen Gartenschau“ in Mühlacker begeisterte im Jahr 2015, auch aufgrund des musikalischen Programms, viele Einwohner und Besucher. Schon damals war der Konzertchor Nordbaden aufgetreten, ebenso die EJT-Bigband. Kurz darauf wurde der „Förderverein Enzgärten“ von engagierten BürgerInnen gegründet, um das schöne Gelände an der Enz weiterhin mit verschiedenen Veranstaltungen zu beleben. Bei den mehrwöchigen „SommerevENZ“, die seitdem jährlich vom Verein veranstaltet werden, erfreute man sich auch 2017 regen Zuspruchs durch die Bevölkerung. Konzerte unterschiedlichster Stilrichtungen, Kleinkunst und Anderes wurden auch in diesem Jahr „Open Air“ auf einem Gelände neben der ursprünglichen Konzerthalle durchgeführt und zogen Tag für Tag zwischen 100 und 700 Besucher an. Organisation und Catering liegt komplett in den Händen der ehrenamtlichen Mitglieder des Fördervereins, die nicht selten Urlaub nehmen, um während der Veranstaltungszeit mitarbeiten zu können. Den Organisatoren ist es wichtig, für alle Altersgruppen und möglichst jeden Musikgeschmack ein Angebot zu machen.
Und so trafen am 27.08. die bereits vorbereiteten SängerInnen des Konzertchores bei der Ankunft auf den Musikverein Mühlacker, der nach dem evangelischen Morgengottesdienst auf der Bühne zum Frühschoppenkonzert aufspielte. Die Stimmung beim Frühschoppen war gut, man unterhielt sich und freute sich, andere MitbürgerInnen und Freunde zu treffen. Für die Mitglieder des Konzertchores (die teilweise noch nie den Brauch des eher in ländlichen Gebieten gepflegten Frühschoppens kennengelernt hatten) eine ungewohnte Atmosphäre, die teilweise zu Verunsicherung führte. Außerdem: das Konzertprogramm enthielt viele leise Passagen - eine ausgesprochene Stärke des Chores! Da zeichneten sich schon einige Sorgenfalten auf den Gesichtern der rund 35 Auftretenden ab. Es war alles so ganz anders als am Vortag…
Doch schon beim Soundcheck auf der Bühne veränderte sich die Situation. Menschen, die extra für dieses Konzert gekommen waren, nahmen auf den Bänken Platz. Bei schwülen 28° C versuchten die ankommenden Besucher, möglichst einen Schattenplatz zu ergattern. Das war gar nicht so einfach, denn rund 200 Personen wollten dieses Konzert zum Lob Gottes anhören.
Erhard Neukamm, Vorstandsmitglied des Vereins, begrüßte Chor und Zuhörer. Und dann ging’s los: Kraftvoll und mit viel Ausdruck erklang das Lied „Die Himmel rühmen des ewigen Ehre“. Ab diesen Moment galt die Aufmerksamkeit der Anwesenden dem Chor. Es wurde ruhig – in den Zuschauerreihen und auch in den Herzen der Sänger. Mit höchster Konzentration und Präzision dirigierte Bernd-Jürgen Kulick auch dieses Konzert, moderierte die einzelnen Liedblöcke und gab dem Chor den gewohnten Schwung zurück. Das Publikum belohnte die Sänger mit häufigem Zwischenapplaus. Auch von der gefühlvollen vorgetragenen „Morgenstimmung“ durch Julian Mack am Klavier zeigte es sich begeistert.
Der Dirigent stand – natürlich – mit dem Rücken zum Publikum. So bemerkte er als Einziger nicht, was die Sänger direkt vor Augen hatten: eine Gewitterfront baute sich während des Konzerts am Himmel auf. Die Sonne wurde von dunklen Wolken verdeckt, es wurde immer schwüler, der typische Gewitterwind begann. Bei Open-Air-Veranstaltungen ist ein Gewitter häufig gleichbedeutend mit Konzertabbruch. Entsprechend sorgenvoll betrachten die Organisatoren den Himmel. Das Konzert geht jedoch weiter, und Rüdiger Metz übernimmt den Solo-Part in der Volksweise „Kein schöner Land“. Für die Sänger gilt: Keinen Blick aufs Wetter wagen, weitersingen, konzentrieren– und fest an das glauben, was in Strophe 4 dieses Liedes zum Ausdruck gebracht wird: „… der Herr im hohen Himmel wacht! In seiner Güten uns zu behüten ist er bedacht…“. Und genau so geschah es. Kein Regen, kein Donner, kein Gewitter während des Vortrags - die Zuhörer lauschten ungestört.
Nach gut 60 Minuten endete das Konzert mit einer Weise aus Schweden als Zugabe, eingeleitet durch ein Violinsolo von Werner Neureuter. Text: „Gott, lass Sonne scheinen über… Wälder und Seen… lass die Sonne aufgeh’n zur Sommerzeit“. Einige Minuten danach riss der Himmel auf, und die Sonne blinzelte wieder durch die Wolken!
Erst Stunden später, als Sänger und Musiker längst wieder zuhause waren, stellte sich heraus, dass wenige Kilometer von Mühlacker entfernt Gewitterregen und Hagel gewütet und einen Temperatursturz von rund 10° C verursacht hatte. Zufall nennen das die Einen – Glaubenserlebnis die Anderen.
Den rund 200 Zuhörer hat das Konzert, wie aus nachfolgenden Gesprächen zu entnehmen war, gut gefallen. Der ‚etwas andere‘ Konzertort und das schöne Programm wurde positiv bewertet und die Glaubensüberzeugung der Sänger kam auch in diesem Format an. „Das war einfach mal was ganz Anderes als irgendwo in einer Kirche zu sitzen, mir gefällt das richtig gut hier im Freien!“, so ein begeisterter Zuhörer. Auch die Organisatoren des Fördervereins waren dankbar über diesen durchaus gut besuchten Programmpunkt des Sonntags.
Wie schön, dass „Die Ehre Gottes aus der Natur“ in den Enzgärten nicht nur sichtbar ist, sondern auch hörbar wurde!