Am 10. Januar 2016 fand in der Neuapostolischen Kirche in Dietlingen der letzte Gottesdienst statt.
1932 war die Gemeinde mit 19 Mitgliedern gegründet worden. Nach vielen Jahren lebendigen Gemeindelebens wäre nun in absehbarer Zeit eine selbständige Gemeindeentwicklung nicht mehr optimal möglich gewesen. Dies führte zu organisatorischen Überlegungen, die Dietlinger Gemeindemitglieder in größere Gemeinden zu integrieren. Vorrangig in Pforzheim-Brötzingen und Birkenfeld wird ihnen nun eine neue seelische Heimat angeboten.
Bischof Jörg Vester feierte den denkwürdigen Gottesdienst mit der Gemeinde, zu dem auch einige zwischenzeitlich weggezogene ehemalige Gemeindemitglieder gekommen waren. Der Predigt lag das Bibelwort aus 1. Johannes 2, 29 zugrunde. Einfühlsam ging der Bischof auf die mutmaßliche Gefühlslage der Dietlinger ein und betonte sein Verständnis für momentane Wehmut und Traurigkeit. Die Entscheidung zur Gemeindeschließung sei eine organisatorische gewesen und habe keinen glaubensbezogenen Hintergrund.
Zu Predigtbeiträgen wurden der seitherige Dietlinger Vorsteher, Priester Ludwig Petervari, und die Vorsteher der beiden aufnehmenden Gemeinden, Evangelist Oliver Merkle (Birkenfeld) und Hirte Winfried Waldhauer (Brötzingen) an den Altar gerufen. Diese beiden brachten Willkommensgrüße zum Ausdruck und freuen sich auf den Gemeindezuwachs.
Nach der Feier des letzten Heiligen Abendmahls in der Kirche Dietlingen wurde vom seitherigen Vorsteher eine Kurzchronik der Gemeinde vorgelesen. Die Auflösung der Gemeinde führte auch dazu, dass Bischof Vester Priester Petervari von seiner Beauftragung als Vorsteher entbinden konnte. Allerdings sei das keine Zuruhesetzung betonte der Bischof – Ludwig Petervari wird weiterhin das Priesteramt ausüben.
Dann sprach Bischof Vester die Entwidmungsformel und lies als symbolischen Akt die Heilige Schrift und die Abendmahlsgefäße aus dem Kirchenraum hinaustragen. Alle versammelten Gottesdienstteilnehmer stimmten noch gemeinsam in das Lied „Der Herr ist mein Licht“ ein, in dessen Refrain zum Ausdruck kommt: „dass ich mög bleiben im Hause des Herrn mein Leben lang“.
Zusammenfassung der Kurzchronik:
Die Gemeinde Dietlingen wurde Ende 1932 mit 19 Seelen eine selbständige Gemeinde.
Erster Vorsteher war Priester Kurt Schnitzler.
1952 konnte der erste Gemeindechor gegründet werden.
Die Gemeinde wurde im Lauf der Jahre von 5 Vorstehern betreut.
Die Gemeinde Niebelsbach wurde 1952 selbständige Gemeinde.
Erster Vorsteher war Priester Max Alt.
1956 konnte auch dort ein Gemeindechor gegründet werden.
Die Gemeinde hatte 3 Vorsteher.
1982 wurden die beiden selbständigen Gemeinden in der neuen Kirche in der Poststraße vereint. In diesem Gebäude konnten dann regelmäßig Gottesdienste mit Heiligem Abendmahl, Taufen, Hochzeiten und weiteren Segenshandlungen bis heute durchgeführt werden. Die Gemeinde durfte 2007 ihr 75-jähriges Jubiläum feiern. Den Festgottesdienst feierte Apostel Wolfgang Eckhardt und die Festansprache hielt der damalige Bürgermeister Ulrich Pfeiffer.
Die Dietlinger freuen sich darüber, dass aus ihrer Gemeinde Martin Schnaufer als Apostel hervor-gegangen ist, der selbst einige Jahre Vorsteher der Gemeinde war (und immer noch dort wohnhaft ist).
Im Lauf der Jahre reduzierte sich die Anzahl der Gemeindemitglieder um über 50, davon gingen mehr als 20 in Ewigkeit, andere waren weggezogen.
Am 10. Januar 2016 feierte nun Bischof Jörg Vester in Dietlingen den letzten Gottesdienst.