Lateinische Messe-Vertonungen und große Sinfonien hörte man bisher selten bei Konzerten in der Neuapostolischen Kirche.
Der Regionalchor Nürtingen und die Junge Philharmonie der Neuapostolischen Kirche Süddeutschlands führten in zwei Konzerten – am 16.5.2015 in Pforzheim-Brötzingen , am 17.5.2015 in Esslingen – zuerst gemeinsam Schuberts Messe Nr.6 in Es-Dur, anschließend Beethovens Sinfonie Nr.5 in c-moll mit großem Erfolg auf.
Schuberts sechste und letzte Messe entstand 1828, in seinen letzten Lebensmonaten, und wurde erst ein Jahr nach seinem Tod in Wien uraufgeführt. Sie gilt als ein zutiefst vollendetes Werk und stellt deswegen nicht nur technisch, sondern auch für die musikalische Interpretation hohe Anforderungen. Beide Ensembles erfüllten sie unter der Leitung von Daniel Joos (Pforzheim-Brötzingen) und Karsten Ott (Esslingen) hervorragend. Da beide Dirigenten das Werk etwas unterschiedlich interpretierten, musste stets mit höchster Konzentration musiziert werden.
Die Zuhörer erlebten eine zupackende Darstellung des Messe-Textes, vom leisesten Piano (anfangs im „Kyrie eleison“, dann bei „Et sepultus est“ und schließlich im „Dona nobis pacem“) bis hin zum dreifachen Forte, prachtvoll in den „Amen“-Schlüssen des „Gloria“ und des „Credo“, manchmal auch dramatisch akzentuiert im „Domine Deus“.
Die drei komplexen Fugen („Cum Sancto Spiritu“, „Et vitam venturi saeculi“ „Osanna in excelsis Deo“) mit ihren schwierigen chromatischen Harmonisierungen wurden souverän gemeistert. In der Fuge „Agnus Dei, qui tollis peccata mundi“ (Lamm Gottes, der du trägst die Sünden der Welt) kam letztlich die christliche Erlösungsbotschaft meisterhaft zum Ausdruck.
Das Solistenensemble (Fabienne Schwarz-Loy - Sopran, Jasmin Joos – Alt, Roger Gehrig – Tenor 1, Thorsten Portele – Tenor 2, Christoph Schweizer – Bass) füge sich angenehm und harmonisch in die Aufführung.
Nach einer kurzen Pause spielte die Junge Philharmonie Beethovens „Schicksals-Sinfonie“, beide Male unter der Leitung von Daniel Joos. Sein klares und präzises Dirigat ergab eine sehr farbige und durchsichtige musikalische Darstellung vom Kampf zwischen Leid und Erlösung. Die Klangfarben aller Instrumente kamen differenziert zu Gehör.
Das Publikum bedankte sich nach beiden Teilen des insgesamt 100-minütigen Konzertes mit stehendem Beifall.
(Konzertbericht von Armin Hoffmann)