Am Sonntag, 17. Mai 2026, feierte die Gemeinde Neulingen ihr 100‑jähriges Bestehen – ein Jubiläum, das Gläubige aus nah und fern in die festlich geschmückte Gräfin‑Rhena‑Halle in Bauschlott führte. Der Festgottesdienst mit anschließendem Gemeindefest vereinte aktuelle und ehemalige Gemeindemitglieder in großer Dankbarkeit und Freude.
Der Gottesdienst wurde von Bezirksevangelist Michael Hagel durchgeführt. Gemeindeorchester und -chor verliehen der Feier einen würdigen musikalischen Rahmen.
Im Eingangsgebet wurde Gott für alles Gute in einem Jahrhundert Gemeindegeschichte gedankt – für göttliche Führung, Bewahrung und die Kraft des Heiligen Geistes.
Der Gottesdienst stand unter dem Bibelwort aus 1. Johannes 4,7:
Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist aus Gott geboren und kennt Gott.“
Passend zum Bibelwort war der Altar mit einem großen Herz geschmückt – eine göttliche Fügung, wie der Bezirksevangelist herausstellte. Die mit dem Blumenschmuck Verantwortlichen hätten das Bibelwort im Vorfeld nicht gekannt.
Die Liebe Gottes sei Ursprung allen Lebens, führte Bezirksevangelist Hagel aus – sie sei Kraftquelle und Auftrag zugleich. Gott habe zuerst geliebt, und aus dieser Liebe heraus habe er seinen Sohn gesandt, „damit wir durch ihn leben sollen“. Leben ohne Liebe sei nur ein Existieren.
Die Gemeinde wurde eingeladen, diese Liebe sichtbar zu machen. Vier Säulen der Liebe tragen eine Gemeinde, so die Predigt weiter.
Zum einen solle die Herzenshaltung sein, einander als „ihr Lieben“ anzusprechen, im Vertrauen, dass der andere im Herzen gut sei. Zum anderen solle der Umgang von gegenseitigem Interesse geprägt sein – aufeinander zugehen, vergeben, ohne Furcht Missverständnisse klären, dies solle in der Gemeinde gelebte Praxis sein.
Die Liebe habe auch eine göttliche Dimension. So sei der Heilige Geist ein Geist der Liebe, der in den Herzen Liebe bewirke und Kraft zur Vergebung schenke. Die persönliche Beziehung zu Gott sei eine weitere Säule, die die Gemeinde erhalte und in die Zukunft weise. Gott kennen, seinen Willen verstehen und seine Liebe erwidern, dies solle Programm für jeden Christen sein, schloss der Bezirksevangelist.
Bezirksvorsteher Karsten Müller wurde zu einem weiteren Predigtbeitrag gerufen und bezeugte großen Respekt vor der Pionierarbeit der ersten Gläubigen, die mit viel Opferbereitschaft und persönlichen Einsatz die frohe Botschaft in die Ortschaften getragen haben. Diese Menschen seien begeistert von Jesus und der Kunde vom wiederaufgerichteten Apostelamt gewesen, andere Menschen hätten sich anstecken lassen, seien dem Ruf Gottes gefolgt und hätten Gemeinde gebaut und unter einfachen Verhältnissen in Wohnzimmern begonnen, Gottesdienst zu feiern.
Der Bezirksälteste erzählte aus persönlichem Erleben, dass der Liebe manches Mal Hindernisse in den Weg gelegt würden. Aber Liebe trage – auch dann, wenn etwas schiefgehe. So sei es auch in der Gemeinde: Missverständnisse, kleine Verletzungen oder Unvollkommenheiten gehörten dazu. Entscheidend sei, wie man damit umgehe – mit Liebe, Geduld und Versöhnungsbereitschaft. Die Liebe solle der Energiegeber sein für das, was in der Gemeinde heute geschehe und die Gemeinschaft zusammenhalten bis zum Tag der Wiederkunft Christi. Er schloss mit dem Bibelwort: „Lasst uns wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken auf den hin, der das Haupt ist, Christus“.
Evangelist Julius Maier sprach in seinem Predigtbeitrag von Wahrscheinlichkeiten. Wie wahrscheinlich sei es gewesen, dass aus den ersten 22 Gläubigen vor einhundert Jahren mehrere Gemeinden entstehen würden? Wie wahrscheinlich sei es gewesen, dass die heutige Festgemeinde vereint das Jubiläum feiern könne? Gottes Mathematik sei großartig, so der Gemeindevorsteher weiter.
Den Begriff „Liebe“ deutete er als Akronym für „Lass Immer Eine Brücke Entstehen“ – eine Brücke baue man von zwei Seiten, wobei sich die Brückenteile in der Mitte treffen und ein tragfähiges Bauwerk bilden.
Evangelist Maier legte der Gemeinde weiter ans Herz, den Impuls aus dem Refrain des Eingangslieds „Die Liebe sei das Zeichen, daran man uns erkennt“ ganz persönlich umzusetzen. Wie wahrscheinlich sei es denn, dass die Gemeinde weiterwachse, wenn jeder einzelne die Liebe Gottes weitertrage? „Mit dem lieben Gott im Bund machen wir gar nichts falsch“, schloss der Gemeindevorsteher.
Bezirksevangelist Hagel verlas im Weiteren eine Kurzchronik der vier Gemeinden Göbrichen, Bauschlott, Nussbaum und Eisingen, die heute die Gemeinde Neulingen bilden. So seien bereits 1923 erste Kontakte in Göbrichen durch Gläubige aus Bretten geknüpft worden, worauf 1926 die ersten 22 Gläubigen aus Göbrichen neuapostolisch wurden und den Grundstein für die erste Gemeinde legten. Gläubige aus Nussbaum und Bauschlott sowie Eisingen kamen hinzu. Diese Gemeinden zogen 1953 beziehungsweise 1968 als selbständige Gemeinden in eigene Gottesdienstlokale um. 2009 wurde in Göbrichen im Eduard-Mörike-Ring ein neues Gotteshaus für die inzwischen wiedervereinten Teilgemeinden Göbrichen, Nussbaum und Bauschlott gebaut. Seit 2022 gehört auch die Gemeinde Eisingen zur Gemeinde Neulingen.
Heute zählt die Gemeinde 152 aktive Mitglieder, darunter 16 Jugendliche, 28 Kinder, 59 Erwachsene und 49 Senioren. Betreut wird die Gemeinde von 2 Evangelisten, 4 Priestern, 6 Diakoninnen/Diakonen und 3 Gemeindehelfern.
Mit Dankbarkeit erinnerte sich die Festgemeinde an frühere Gemeindevorsteher und viele verstorbene Gläubige, die die jeweiligen Gemeinden geprägt und getragen haben. Unterstrichen wurde das dankbare Gedenken und die Freude auf ein Wiedersehen in Gottes Herrlichkeit mit dem Chorlied „Meine Heimat ist dort in der Höh“.
Nach Sündenvergebung und Heiligem Abendmahl dankte die Gemeinde im Schlussgebet Gott nochmals für ein Jahrhundert voller Segen, für unzählige Gottesdienste, für Trost, Kraft und Führung. Mit Zuversicht wurde der Blick nach vorne gerichtet: Gott möge weiterhin Gemeinde bauen, und jeder möge ein Werkzeug seiner Liebe sein – „heute, morgen und für die kommenden Jahre“.
Den fulminanten Abschluss des Gottesdienstes bildete das Chorlied mit Orgel „Das Lob soll laut erschallen“, welches die Zuhörer mit Applaus bedachten. Zu einem weiteren wohlbekannten Lied aus der neuapostolischen Chormappe „Der Herr ist mein Licht“ wurde die gesamte Gemeinde zum Mitsingen eingeladen, was eine ganz besondere Stimmung der Verbundenheit und des Gottvertrauens schuf.
Im Anschluss fand das diesjährige Gemeindefest mit Sektempfang, warmem Buffet sowie Kaffee und Kuchen statt. Bei Gesprächen mit alten Bekannten, diversen Mitmach-Aktionen für Alt und Jung und einer Atmosphäre von Gastfreundschaft und Dankbarkeit verging die Zeit wie im Flug.