Mit einem Festakt am Sonntag, 16. Juni 2024, endeten drei ereignisreiche Juniwochen für die Gemeinde Pforzheim-Brötzingen. Nach Entwidmung und Weihegottesdienst stand mit dem Festakt ein weiteres Großereignis für die Gemeinde an. Der Festakt kennzeichnet den Übergang von der Bau- und Einweihungsphase in den normalen Gemeindeablauf. Eingeladen waren alle am Bau beteiligten Unternehmen, Vertreter aus der Politik, Ökumene und Presse.
Matthias Stuhlinger, stellvertretender Leiter der Gemeinde und Moderator des Festakts, begrüßte zu Beginn alle Festredner, Gemeinde und Gäste. Gleichzeitig bedankte er sich bei allen, die zum Gelingen des Neubaus aktiv und passiv beigetragen hatten. Außerdem kündigte er an, dass zwischen den einzelnen Redebeiträgen jeweils der Frauenchor und das Orchester der Gemeinde zu hören sei.
Andreas Denzinger, Leiter der Gemeinde, griff den Dank ebenfalls auch und brachte zum Ausdruck, dass er sich in den Neubau "schockverliebt" habe. Danach gab er einen Überblick über die 99-jährige Geschichte der Gemeinde. Außerdem bedankte sich Andreas Denzinger bei der Kirchenleitung für die Finanzierung des Kirchenneubaus.
Apostel Martin Rheinberger, Leiter des Apostelbereichs Karlsruhe, blickte zurück auf den Weihegottesdienst und sagte, dass er seit diesem die Kreuze in den Kirchen ganz anders betrachte. Das elegante Kreuz im Neubau ist nicht direkt an der Wand angebracht, sondern ragt in die Gemeinde hinein. Apostel Rheinberger las dann einige Worte aus Psalm 127 vor und brachte zum Ausdruck, dass wenn nicht Gott sein Haus selbst mitbaue, sich jeder daran umsonst abmühe. Dort wo Gott baut, liege Segen auf dem Bau und der Entwicklung der Gemeinde, so der Apostel.
Als Vertreter der Politik nahm Landtagsabgeordneter Dr. Hans-Ulrich Rülke, als ehrenamtlicher gemeinderätlicher Vertreter des Oberbürgermeisters der Stadt Pforzheim am Festakt teil. Er überbrachte Grüße, Dank und Glückwünsche sämtlicher Bürgermeister und des Stadtrates. Im Weiteren lobte er die Optik und Atmosphäre in der neuen Kirche. Ferner ging Dr. Rülke anerkennend auf den Umstand ein, dass so ein Neubau allein aus Spenden der Kirchenmitglieder finanziert werden könne, wo die Neuapostolische Kirche doch keine Kirchensteuern erhebt. Der Abgeordnete richtete seinen Blick auf die verbindenden Elemente der Glaubensgemeinschaften, die in Pforzheim auch über Konfessionsgrenzen hinweg gepflegt und gerade in der heutigen Zeit immer wichtiger seien. Am Ende wünschte er der Gemeinde alles Gute und dem Kirchenneubau bis zur Wiederkunft Jesu Christi Bestand.
Dekanin Christiane Quincke begann ihren Beitrag mit Worten aus dem 84. Psalm. Sie vertrat sowohl die Arbeitsgemeinschaft christlicher Gemeinden (ACG) sowie den Rat der Religionen der Stadt Pforzheim. Eine Kirche sei ein sichtbarer Ort, wo sich Christen versammeln, wo sie miteinander Gottesdienst feiern, wachsen, singen, musizieren und das Wort Gottes hören, so Quincke. Hier ließen sie sich für ihren Dienst in der Welt und für die Welt stärken bzw. könnten die Seele zur Ruhe kommen lassen. Die Dekanin nutzte die Gelegenheit, um der Gemeinde für Ihren Dienst in der Welt und für die Welt zu danken. So sei die Gemeinde in vielfältigen ökumenischen Veranstaltungen aktiv und sichtbar. Außerdem lobte Dekanin Quincke die Entwicklung der neuapostolischen Kirche der letzten Jahre. Es gebe wohl keine Kirche, die in den letzten Jahren so eine Wandlung und Veränderung vorgenommen habe.
Als Vertreter der Bauhandwerker und Planer sprach Architekt Martin Bez vom Architekturbüro bez + kock aus Stuttgart. Martin Bez sprach von einem wunderbaren Tag, da die Fertigstellung eines besonderen Hauses zu feiern sei und man als Architekt nur selten einen Sakralbau planen und bauen dürfe. Ein chinesischer Mitarbeiter erhielt 2017 den Auftrag, Entwürfe für den Architekturwettbewerb auszuarbeiten, so auch den Entwurf, der den von der Neuapostolischen Kirche ausgeschriebenen Wettbewerb letztendlich gewann. Über 8.000 Stunden waren notwendig, um die Planung samt aller Einzelheiten und Materialien fertigzustellen. Nach vier Jahren Planung konnte im Jahr 2021 die Baustelle begonnen werden. Die herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Bauwirtschaft sowie die Corona-Pandemie führten dazu, dass vom Spatenstich bis zur Schlüsselübergabe drei Jahre vergangen sind. Drei Leitgedanken waren bei der Planung wichtig: Ein geschützter Innenhof soll Treffpunkt der Gemeinde vor und nach dem Gottesdienst sein, in dem man inmitten des Verkehrslärms zu Ruhe kommen kann. Ein zweiter Aspekt ist Raum und Licht, der Raum steigt zum zentralen Altar hin an. Eine indirekte Lichtführung bringt warmes Streiflicht ins Gebäude. Die Materialien sind eher einfach und natürlich gehalten und geben mit dem prägenden Holz der Weißtanne ein schönes Gesamtbild ab.
Andreas Ostheimer, Orgelsachverständiger der Neuapostolischen Kirche, erklärte die Modernität und die Zukunftsfähigkeit der Orgel, die als vollmechanische Orgel mit echten Pfeifen eingebaut wurde. Modern ist der verantwortungsvolle Blick in die Zukunft und die Bewahrung dessen, was bereits vorhanden war. Bei der Orgel wurden Pfeifen, Bälge und Schwellkasten aus der alten Orgel aus dem Grimmigweg soweit als möglich wiederverwendet. Zukunftsfähigkeit sei, was nachhaltig ist, so Ostheimer. So kann diese mechanische Orgel auch nach vielen Jahren immer wieder mit natürlichen Materialien repariert werden. Der Orgelbauer Ralph Krauter, der am Ende der Bauzeit mit seinem Team fast Tag und Nacht auf der Baustelle war, sagte, dass die Orgel das einzige Teil des Neubaus sei, das bereits Geschichte geschrieben hat. Sie stammt aus dem Jahr 1956. Die circa 4 Tonnen schwere Orgel erzählt die Geschichte der Gemeinde und der Generationen, die schon mit ihr gesungen haben. 53 Prospektpfeifen sieht man von vorne, dahinter sind über 1.100 weitere Pfeifen untergebracht. Jeweils drei Prospektpfeifen bilden eine Gruppe, die die Dreieinigkeit Gottes zum Ausdruck bringen soll. Teilweise wurden auch neue Register eingefügt. Dazu waren 3.000 Arbeitsstunden notwendig. Andreas Ostheimer zeigte abschließend in einem "lauten" und einem "leisen" Stück die Flexibilität der Orgel auf.
Das Ende des offiziellen Teils des Festakts markierte ein Gebet durch Apostel Martin Rheinberger sowie das gemeinsam gesungene Lied: "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren." Insgesamt gab es immer wieder viel Applaus für die Redebeiträge und die gelungenen Vorträge von Frauenchor und Orchester.
Zum Ausklang des Festakts gab es noch ein Get Together mit einem kleinen Imbiss und der freien Besichtigung der Kirche. Dabei konnten viele schöne Gespräche geführt werden. Als Fazit lässt sich sagen, dass der Festakt ein würdiger und zugleich ausgelassener Schlusspunkt ereignisreicher Wochen für die Gemeinde Brötzingen war.