Am Sonntag, den 20.09.2026 durfte die neuapostolische Kirchengemeinde in Neulingen den neuen Apostel für den Bereich Karlsruhe Daniel Habich in ihrer Mitte willkommen heißen.
Voller Vorfreude war die musikalische Umrahmung des Gottesdienstes durch Chor und Orchester sowie das anschließende Fellowship vorbereitet worden. Bereits im Foyer wurde der Apostel vom Kinder- und Jugendchor mit dem Lied “Danke für diesen guten Morgen” begrüßt.
Der Predigt lag das Bibelwort aus 2. Korinther 9,6.7b zugrunde: „Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. […] denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“
Eingeläutet wurde der Festgottesdienst durch den Gemeindechor mit dem Lied „Oh großer Gott, wie herrlich ist dein Werk“. Apostel Habich griff das Lied des Chors auf und ging zu Beginn seiner Predigt auf den Liedtext ein, wo es heißt: „durch Weisheit hast du es gemacht, oh großer Gott.“
Er betonte, dass die segensreiche Entwicklung der Gemeinde in den letzten 100 Jahren nicht auf menschliche Weisheit, sondern auf das Wirken Gottes zurückzuführen sei. Nur göttliche Weisheit, die eine Gemeinde führe und regiere, und Gottesfurcht der Gläubigen ermögliche ein gesundes Wachstum.
Bezugnehmend auf das Bibelwort erzählte der Apostel die Geschichte eines Bauern, der sich über einen besonders reichhaltigen Ertrag seiner Felder freuen durfte. Gefragt nach dem Grund führte er an, dass er seinen guten Samen nicht nur auf dem eigenen Acker austeile, sondern auch mit den Besitzern der angrenzenden Felder teile. So sei sichergestellt, dass durch den Wind, der den Samen von einem Feld aufs andere wehe, nur guter Samen auf seinem Acker lande. Der Apostel rief die Gemeinde dazu auf, gute Gaben nicht nur zum eigenen Vorteil einzusetzen, sondern zum Wohle der Gemeinschaft. So sei eine fruchtbare Entwicklung der ganzen Gemeinde möglich.
„Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten.“ Apostel Habich erklärte, dass „kärglich säen“ nicht bedeute, wenig zu geben, sondern nicht mit ganzem Herzen zu geben. Das Gleichnis von den Talenten zeige, dass Gott nicht die Menge, sondern die Bereitschaft lobe, das eigene Talent einzusetzen. Der Apostel rief dazu auf, nicht zu vergleichen, nicht neidisch auf die Talente eines anderen zu schauen, sondern unbeirrt die eigenen Gaben einzubringen. Wer nicht kärglich säe, setze das Mögliche ein, auch wenn es wenig erscheine. Gott sorge dafür, dass aus wenig viel werden könne – wie bei Jesu Speisung der 5000 oder der Witwe von Sarepta, der es durch Vertrauen in Gottes Hilfe möglich wurde, den Propheten Elia zu verpflegen und selbst genug zu haben.
Ein weiterer zentraler Gedanke sei die Haltung beim Geben: „Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ Geben solle freiwillig, freudig und nicht aus Angst oder Pflichtgefühl geschehen. Es sei Gottes Wille, so der Apostel weiter, dass Gläubige in der Freude geben. Anders könne ein Christ Gottes Liebe gar nicht erkennen. Wie könne man sich von Gott geliebt fühlen, wenn man Angst vor Strafe hätte oder befürchten müsse, seinen Zorn auf sich zu ziehen, wenn man ihm nicht diene?
Wenn die Freude am Dienen verloren gehe, so Apostel Habich weiter, solle man wieder auf die kleinen Freuden achten, die Gott beim Einsatz für seine Sache schenke.
Er schloss die Predigt mit der Hoffnung auf die größte Freude, nämlich die Wiederkunft Jesu und die Zukunft bei Gott.
Zu einem weiteren Predigtbeitrag wurde Gemeindeleiter und Evangelist Julius Maier gerufen.
Er rief die ersten 22 neuapostolischen Christen ins Gedächtnis, die die Neulinger Gemeinden aufgebaut haben. Seit 100 Jahren werde unermüdlich Samen in der Zuversicht auf Gottes Segen ausgebracht – wieviel Geduld sei damals vonnöten gewesen, bevor man eine erste Versammlungsstätte beziehen konnte?
Evangelist Maier wies auf den Blumenschmuck am Altar hin: die Zahl 100 mit Rosen gesteckt. Die Zahlen stünden für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Damals hätten die ersten Gläubigen das Wenige an Samen ausgebracht, das ihnen zur Verfügung stand. Dafür sei die Gemeinde heute unendlich dankbar und dürfe sich über die Früchte vergangener Arbeit und den Reichtum in der Gemeinde freuen. Für die Zukunft sprach der Gemeindevorsteher den Gläubigen Mut zu, ihre Gaben in Geduld um im Vertrauen auf Gottes Segen weiterhin einzubringen.
Vor der Feier des Heiligen Abendmahls erweiterte Apostel Habich das vorgelesene Bibelwort um den Halbsatz „einen fröhlichen Vergeber hat Gott lieb“. Im Bewusstsein und aus der Dankbarkeit, dass Gott Sünde und Schuld immer wieder gerne vergebe, solle die Herzenshaltung der Versöhnungsbereitschaft weiter reifen. Aufeinander zuzugehen solle leichtfallen und ein Bedürfnis sein.
Nach der Feier des Heiligen Abendmahls endete der Gottesdienst mit Gebet und Segen.
Unter den geladenen Gästen war neben der 1. Stellvertretenden Bürgermeisterin von Neulingen, Karin Hajeck, Ratsmitglied Sead Karić und Peter Dietrich von der Presse auch Landrat Bastian Rosenau, der in der Neuapostolischen Kirche in Pforzheim-Brötzingen als Priester dient. Er richtete im Namen des Landkreises und der Gemeinde Neulingen ein wertschätzendes und zugleich persönliches Grußwort an die Gemeinde. Die innere Verbundenheit mit dem christlichen Glauben kam immer wieder zum Ausdruck.
Landrat Rosenau hob hervor, dass die Entwicklung der Gemeinde nicht durch Autorität, sondern durch Dienstbereitschaft, Gemeinschaftssinn und gelebten Glauben möglich geworden sei. Der Begriff „öffentlicher Dienst“ werde heute oft übersehen, sei aber zentral – sowohl in der Kirche als auch in der Politik.
Mit mehreren Zitaten unterstrich der Landrat die Bedeutung von Demut, gegenseitigem Dienen und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Besonders hob er den Gedanken hervor, dass Kirche die Welt nicht aktiv verändern müsse – aber verändere, wenn sie ihren Auftrag erfülle. Die Gemeinde sei ein Beispiel dafür, wie gelebte Gemeinschaft und Glaubensüberzeugung positive Wirkung nach außen entfalten.
Zum Abschluss rief Bastian Rosenau dazu auf, weiterhin aufeinander zuzugehen, zuzuhören und Grenzen zu überwinden – unabhängig von Herkunft, Sprache, Meinung oder Glauben. Er ermutigte die Festgemeinde, die Zukunft mit Zuversicht zu gestalten: „Fürchte dich nicht, glaube nur.“
Mit einem herzlichen Dank für 100 Jahre kirchliches Engagement und der Übergabe eines Geschenks für die Gemeindearbeit schloss der Landrat sein Grußwort.
Im Anschluss lud die Gemeinde zu einem kleinen Umtrunk mit Imbiss ein, den alle Anwesenden gerne zum angeregten Austausch nutzten.