Zum Gottesdienst am Mittwoch, 12. August 2026 durfte die Gemeinde Mühlacker den neuen Bezirksapostel für die Gebietskirche Süddeutschland, Martin Rheinberger in ihrer Mitte begrüßen. Eingeladen waren außer den Mühlacker Geschwistern die Gemeinden Kieselbronn, Niefern und Ötisheim.
Musikalisch umrahmt wurde der Festgottesdienst vom Gemeindechor und vom Projektorchester „So klingt mein Glaube“.
Dem Gottesdienst lag das Bibelwort aus Markus 13, 13b zugrunde: „Wer aber beharrt bis an das Ende, der wird selig.“
Der Bezirksapostel griff zu Beginn der Predigt das Lied der Sänger auf, wo es heißt „Nahe bei Jesus, oh Leben so schön…“ Das singe sich leicht, so der Bezirksapostel. Ändere man den Text „Leben so schön“ ab in „schwieriges Geh‘n“, treffe das eher die Lebensrealität vieler Gläubiger. Christen seien nicht gefeit gegen Schwierigkeiten und Widrigkeiten des Lebens. Dennoch – die Nähe zu Jesus könne immer gewahrt bleiben, auch in schwierigen Zeiten, so der Bezirksapostel weiter. Christus habe in seinen letzten Stunden die Gemeinschaft zu seinen Jüngern gesucht – entsprechend dürften und sollten Christen, wenn es schwierig werde, die Nähe zu Jesus suchen.
Bezugnehmend auf das Bibelwort rief der Bezirksapostel der Gemeinde zu: „Haltet an dem fest, was bis zum Ende bleibt!“
Petrus war Jude und mit vielen Traditionen und Vorschriften aufgewachsen, in denen er verharren wollte. Die Bedeutung des Traums mit dem Tuch und allerlei unreinem Getier darin erschloss sich Petrus nicht sofort. Gott sandte ihn damit zum römischen Hauptmann Cornelius, der gläubig geworden war und ihm das Evangelium verkünden. Während Petrus‘ Predigt kam der Heilige Geist auf alle Anwesenden. Konkret bedeute das, dass es Gott um das Heil des einzelnen Menschen gehe und Traditionen dabei in den Hintergrund rückten, so der Bezirksapostel.
Auch heutige Gläubige hielten gerne an kirchlichen Traditionen fest, an den Dingen, die „immer schon so waren“. Menschen beharrten zudem auf ihrer Auffassung von Gerechtigkeit, stellte Bezirksapostel Rheinberger fest – doch Gott habe seine eigene Gerechtigkeit, diese heiße Gnade und Barmherzigkeit. Gläubige Seelen sollten also beharren und festhalten an Liebe, Gnade und Barmherzigkeit. Das Maß an Liebe, das Gott den Menschen entgegenbringe, sei nicht zu erreichen – diese war so groß, dass er seinen eigenen Sohn zum Heil der Menschheit geopfert hat. Aber das Wesen Jesu ernsthaft zum Vorbild nehmen, das solle Ziel und Aufgabe aller Christen sein.
Was sei denn das Ende, fragte der Bezirksapostel. Das sei die Zukunft beim Herrn, der alle Gläubigen entgegengehen dürften. Der Blick nach hinten, in die Vergangenheit, zerstöre oft den Blick nach vorne. Das Volk Israel wollte irgendwann umkehren und zurück zu den Fleischtöpfen Ägyptens. Angesichts der entbehrungsreichen Reise vergaßen sie, warum sie Ägypten überhaupt hatten verlassen wollen: weil ihnen dort das Wichtigste, die Freiheit, verwehrt gewesen war. Die Gemeinde solle nicht zulassen, dass der Blick in die Vergangenheit (wo „alles besser war“) den Blick auf das Ziel verstelle, legte der Bezirksapostel den Gläubigen als Herz. Das Ziel sei die Wiederkunft Jesu und die ewige Gemeinschaft mit Gott. Es gäbe schon auf Erden selige Momente (zum Beispiel, wenn man das erste Mal sein Neugeborenes im Arm halte), die man am liebsten festhalten würde. Die Wiederkunft Christi werde ein seliger Moment sein, der bleibe, schloss der Bezirksapostel.
Zu einem weiteren Predigtbeitrag wurde Bischof Jörg Vester gerufen.
Er sprach davon, dass man bei einer Bewerbung im Arbeitsleben oft erlebe, dass in Superlativen gesprochen und die neue Stelle in den leuchtendsten Farben dargestellt werde. Sobald man dann in der neuen Firma angekommen sei, stelle sich oft heraus, dass dort beileibe nicht alles positiv sei.
Jesus habe seinen Jüngern keine strahlende Zukunft versprochen, sondern ihnen Ablehnung und Verfolgung bis zum Märtyrertod in Aussicht gestellt. Auch heutige Gläubige sollten einen realistischen Glauben haben, so Bischof Vester weiter. Kämpfe und dornige Wege gehörten zum Leben eines jeden Menschen. Aber Jesus habe die eindeutige Zusage gegeben: „ich bin bei euch alle Tage – bis an der Welten Ende“.
Bei der Überleitung zum Heiligen Abendmahl führte der Bezirksapostel aus, dass das Brotbrechen eines der vier Elemente sei, an denen die erste Gemeinde unbeirrt festgehalten habe: „Sie aber blieben beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“
Nach der Feier des Heiligen Abendmahls wurde Priester Benjamin Stickel mit der stellvertretenden Leitung der Gemeinde Kieselbronn beauftragt.